Olympia: Vier Kaufbeurer waren vor 50 Jahren dabei

Manfred Kraus schaut auf die Olympischen Spiele 1976 in Innsbruck zurück


Geschrieben von

Olympische Spiele 1976 in Innsbruck. Die deutschen Spieler verlassen das Eis der Olympiahalle. Sie schleichen mit hängenden Köpfen in die Kabine. Haben soeben die Auswahl der USA mit 4:1 besiegt. Aber Bronze verloren. Hauchdünn. Um ein Tor. Punktgleich mit Finnland und den Vereinigten Staaten liegt das bundesdeutsche Team auf Platz drei. Gleichauf auch im direkten Vergleich. Mit 2:2 Punkten alle drei. Und da spricht nun einmal das Torverhältnis für Finnland. Nur ein Treffer fehlt zur ganz großen Sensation. Zu Bronze. Ein einziger Treffer.

Da macht plötzlich das Wort vom Torquotienten die Runde. In der Bewertung des direkten Vergleichs zähle nicht die Differenz der geschossenen und erhaltenen Tore. Nein. Der Quotient sei es, auf den es ankomme. Und der liegt beim deutschen Torverhältnis von 7:6 um 0,041 besser als jener der Finnen, die 9:8 Treffer auf ihrem Konto haben. Die USA mit 6:8 sind ohnehin aus dem Rennen.

Ungläubigkeit macht sich breit, als die Nachricht bis in die Kabine zur enttäuschten Mannschaft dringt. Staunen und Zweifel. Es dauert, ehe sich schiere Freude Bahn bricht. Über den dritten Platz. Über Bronze. Über den bemerkenswerten Erfolg, der als eine der großen Überraschungen in die deutsche Sportgeschichte eingehen wird. Mit dabei in der freudetrunkenen Traube aus jubelnden Spielern vier waschechte Kaufbeurer.

Erich Weishaupt. Der vielleicht beste Torhüter, den das Kaufbeurer Eishockey hervorgebracht hat. Zusammen mit Routinier Hans Kerpf ein blendendes Duo im Kasten des ESVK. Frischgebackener Meister mit dem Berliner SC. Wird später einmal bei einer Weltmeisterschaft als „Zar von Moskau“ bezeichnet.

Wolfgang Boos. Der stürmende Edeltechniker, der schon mit fünfzehn in der Ersten debütiert hat. Anno 61. Glänzte lange Zeit mit Manfred Hubner und Alfred Lutzenberger im legendären Kaufbeurer Fohlensturm, der auch als Block in der Nationalmannschaft spielte. Mittlerweile zweifacher deutscher Meister mit der Düsseldorfer EG.

Walter Köberle, quirliger Wirbelwind. Stieß 1965 als Sechzehnjähriger zur Bundesligamannschaft des ESVK. Konnte ganze Verteidigungen schwindlig spielen. Jetzt ebenfalls zweifacher Meister im Team der Düsseldorfer EG.

Stefan Metz. Pfeilschneller Außen in der legendären Kaufbeurer Juniorenmannschaft, die 1971 den deutschen Meistertitel nach Kaufbeuren geholt hat. Nun auch in Diensten des Berliner Schlittschuhclubs zweimal deutscher Meister geworden.

Fünfzig Jahre ist das nun her. Ein halbes Jahrhundert. Das Wunder von Innsbruck. Bronze bei Olympia. Vier Spieler aus der Kaufbeurer Talentschmiede haben tatkräftig mitgeholfen beim sensationellen Erfolg. Ein Augenblick, um innezuhalten und sich zu erinnern. Auch an den Bronzeschmied Xaver Unsinn, der natürlich ein Füssener war. Vielleicht aber auch ein bisschen ein Rotgelber. War er doch maßgeblich an der ersten großen Blüte des Kaufbeurer Eishockeys beteiligt, der Xarre. Von 1960 bis 66. Zwei Jahre als Spielertrainer, vier als Trainer.

Gold ging 1976 in Innsbruck übrigens an die überragende sowjetische Sbornaja. Und Silber an die Auswahl der Tschechoslowakei. Mit Vladimir Martinec und Bohuslav Stastny. Noch so eine Geschichte, die wir nicht vergessen sollten.

Text: Manfred Kraus

Foto: City-Press

Zurück

ESVK-Aktuell

ESVK-Aktuell